Home
Shop  |  Abo  |  Kontakt
Themen
 
 

07 1001, 08 1001, 79 001: Der Dampflokzirkus

Max Baumberg (1906—1978) war nicht nur ein hervorragender Ingenieur, sondern auch ein leidenschaftlicher Sammler: In der von ihm geleiteten Fahrzeug-Versuchsanstalt, der späteren Versuchs- und Entwicklungsstelle der Maschinenwirtschaft (VES-M) in Halle (Saale), setzte er vorzugsweise Dampflok-Exoten für den Erprobungsdienst ein.

Unter ihnen waren auch drei Maschinen ausländischen Ursprungs, die nach dem Krieg auf dem Netz der DR vorgefunden wurden und auch verblieben. Die spätere 07 1001 ist ursprünglich von der Paris-Orléans-Bahn (PO) beschafft worden. Sie war 1912 von Cail mit der Fabriknummer 3608 und der Bahnnummer 3580 an die PO geliefert worden.

Ihre lange schmale Feuerbüchse und das gut ausgeglichene Vierzylinder-Verbund-Heißdampftriebwerk ließen die Maschine geeignet erscheinen, sie in die Versuche mit Kohlenstaubfeuerung einzubeziehen. Das Raw Stendal baute die Lokomotive auf Kohlenstaubfeuerung System Wendler um; die Abnahme fand am 6. Juli 1952 statt. Neben den Veränderungen, die durch die Kohlenstaubfeuerung bedingt waren (Entfernung des Aschkastens, zweite Luftpumpe und Hauptluftbehälter zur pneumatischen Staubaustragung), erfolgte eine Anpassung an die Betriebsbedingungen der DR. Für die Versuchsfahrten war die Lok mit einem Kohlenstaubtender 2’2’ T 26 Kst gekuppelt, später erhielt sie den Kohlenstaubtender 2’2’ T 28,5 Kst der rekonstruierten 03 1087. Unter der Betriebsnummer 07 1001 wurde die Maschine erst dem Bw Berlin Ostbahnhof, dann dem Bw Dresden-Altstadt zugewiesen (1954) und kam zusammen mit der 08 1001 in den Schnellzugdienst auf der Strecke Dresden — Berlin. Als Einzelgänger mit einem komplizierten Innentriebwerk und vielen, von den deutschen Normen abweichenden Bauteilen war ihre Existenz jedoch begrenzt. Die Lokomotive wurde wie die 08 1001 im Jahre 1958 ausgemustert.

Die von der DR als 08 1001 eingenummerte Maschine ist eine Entwicklung der Französischen Ostbahn. Sie stammte aus einer 1931/1932 gebauten Serie von 40 Maschinen und hatte die Betriebsnummer 241 A 21 getragen. Für den Umbau auf Kohlenstaubfeuerung war die Lokomotive insofern interessant, weil sie mit 12,25 m3 einen großen Verbrennungsraum und eine 2.248 mm lange Verbrennungskammer hatte, somit also den für die Kohlenstaubfeuerung erwünschten langen Ausbrennweg für die Staubpartikel besaß. Die Lokomotive wurde im Raw „7. Oktober“ Zwickau 1952 betriebsfähig hergerichtet und dabei auf Kohlenstaubfeuerung nach dem System Wendler umgebaut.

Die 79 001 entstammte dem elsässischen Typ T 20 AL und hatte bei der Französischen Staatsbahn SNCF die Betriebsnummer 242 TA 602 getragen. Wegen ihres Mehrzylindertriebwerks fand sie das Interesse der Fahrzeugversuchsanstalt (FVA) Halle, die sie als Bremslokomotive einsetzen wollte. Die Fahrzeugversuchsanstalt ließ die Lok im Jahre 1951 dem Raw Zwickau zur Aufarbeitung, Angleichung an deutsche Normen und zur Herrichtung als Bremslok zuführen.

Man hatte an der Lok nur relativ geringfügige Änderungen im Zuge einer Generalreparatur durchführen müssen. Die umgebaute Maschine befriedigte jedoch in keiner Weise. Weder taugte sie als Bremslok, noch war sie im Zugdienst auf Dauer zu gebrauchen. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit konnte niemals ausgefahren werden, weil über 80 km/h eine dauernde Entgleisungsgefahr drohte. Im Jahre 1963 wurde der Einzelgänger abgestellt; der Ausmusterungsbescheid kam 1966.





  07 1001 08 1001 79 001
          
Bauart
2’C1’h4v 2’D1’h4v 2’D2’h4vt
Treib- und Kuppelraddurchmesser
1.950mm 1.950mm 1.660mm
Höchstgeschwindigkeit
140km/h 110km/h 110km/h
Zylinderdurchmesser
2 x 420 mm/640 mm 2 x 450 mm/660 mm 2 x 420/630 mm
Kolbenhub
650 mm 720 mm 650 mm
Kesselüberdruck
16 bar 16 bar 15 bar
Länge über Puffer (07 und 08 mit Tender)           
23.455mm 24.800mm 17.745mm
Wasservorrat
28,5 m3
28,5 m3 14,4 m3
Kohlen(staub)vorrat
10 t 10 t 8 t
Dienstmasse (07 und 08 ohne Tender)
101,8 t 122,5 t 121,8 t
Reibungsmasse
57,3 t 84,2 t 68,1 t
Indizierte Leistung
k.A. k.A. k.A.
verlagshaus.de
ist ein Angebot der
GeraNova Bruckmann Verlagshaus GmbH
© 2018