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Baureihe 23.10: Ersatz für die P8

23 1001 - 1113 (ab 1970: 35.10), Baujahre 1955 - 1959

Für beide deutsche Bahn­ver­wal­tun­gen stand nach dem Krieg der Er­satz der ver­brei­te­ten preu­ßischen P 8, einer Personenzuglok, auf der Ta­ges­or­dnung. Deren Be­stand war zwischen 20 und 40 Jahren alt, man­che Lokomotiven hatten bereits zwei Weltkriege durchfahren.

Der erste Entwurf für die neue Reichsbahn-Maschine entstand 1954 im Institut für Schienenfahrzeuge (IfS) in Berlin-Adlershof auf der Basis einer vom DR-Lokausschuss in Auftrag gegebenen Projektskizze. Daraufhin meldete die Reichsbahn Änderungswünsche an. So sollte die Leistung der neuen Lokomotive um 50 Prozent über der der P 8 liegen, die spezifische Heizflächenbelas-tung 75 kg/m2h und die Kuppelradsatzfahrmasse 18 t betragen. Der zweite Entwurf des IfS lag schon am 30. Juni 1954 vor. Er berücksichtigte die Ergebnisse vorangegangener Beratungen mit den Praktikern der DR und listete auch auf, welche Bauteile bereits für andere Neubaulokomotiven (25 und 6510) durchkonstruiert waren und über­nom­men werden konnten.

Am 10.  September 1955 erteilte die Hauptverwaltung der Ma­schi­nen­wirt­schaft (HvM) der LKM den Auftrag zur Herstellung von vier Bau­mus­ter­lo­ko­mo­ti­ven, je zwei der Achsfolge 1’C1’ (Reihe 2310) und je zwei der Achsfolge 1’E (Reihe 5040).

Für den 16. Januar 1957 konnte LKM — nach erheblichen Verzögerungen — zur offiziellen Werksprobefahrt der ersten 2310 einladen. Während das Protokoll vermerkt, dass die Lok auch bei der höchsten ausgefahrenen Geschwindigkeit (110 km/h) ruhig lief, spricht die Mängelliste von un­ruh­igem Lauf bei hohen Geschwindigkeiten.

Ehe die Fahrzeug-Versuchsanstalt Halle am 19. Februar 1957 die Vor­er­pro­bung mit dem Einfahren der Lokomotive vor planmäßigen Zügen begann, hatte die HvM beim Hersteller für die Serienlieferung den Nass­dampf­reg­ler Bauart Schmidt & Wagner anstelle des Heißdampfreglers bestellt. Ge­gen­über den Baumusterlokomotiven 23 1001 und 1002 sollte die Serie Nassdampfregler mit Seitenzug und geschweißte Dampf­sam­mel­käs­ten erhalten. Der Speisedom sollte entfallen und die neue Misch­vor­wär­mer­an­la­ge Bauart IfS/DR eingebaut werden. Im Weiteren waren eine Reihe fertigungstechnischer Mängel oder Unhandlichkeiten bei der Bedienung abzustellen.

Nach Abschluss der Versuchsfahrten im August 1957 erteilte die HvM dem VEB Lokomotivbau „Karl Marx“ Babelsberg den Auftrag zur Lieferung wei­ter­er 111 Lokomotiven, die innerhalb von zwei Jahren gefertigt worden sind. Innerhalb der Serie gab es keine weiteren Bauartänderungen.

Die ersten Loks der Serienlieferung gingen an die Direktionen Schwerin und Greifswald, wo die Maschinen wegen ihres guten Beschleunigungsvermögens und ihres verdampfungsfreudigen Kessels häufig im Schnellzugdienst eingesetzt worden sind. Weitere Lieferungen gingen an die Direktionen Halle und Cottbus. Dort lösten die Neubauloks die kohlenstaubgefeuerten Maschinen der Baureihe 1710—12 ab. Dann erhielten auch das Bw Gera und sächsische Bahnbetriebswerke Maschinen der BR 2310. Auslauf-Bw wurde Nossen, das noch 1981 die letzte Maschine dieser Baureihe, die 23 1113, im Plandienst einsetzte.




Bauart 1’Eh2
Treib- und Kuppelraddurchmesser 1.400 mm
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h
Zylinderdurchmesser 600 mm
Kolbenhub 660 mm
Kesselüberdruck 16 bar
Länge über Puffer mit Tender 2’2T28 22.600 mm
Wasservorrat 28 m3
Kohlenvorrat 10 t
Dienstmasse (o. Tender) 85,9 t
Reibungsmasse 73,4 t
Indizierte Leistung 1.294 kW
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